Die Internetseelsorge der Landeskirche ist ein stabiler Rettungsring in Krisensituationen

Quelle: Kurt Michel / pixelio.de

Unsere Seele bedarf ebenso der täglichen Pflege wie unser Körper. Es ist daher schön, dass ein wachsendes und breit gefächertes seelsorgerliches Angebot nahezu jedem zur Verfügung steht, wann und wo immer er dessen bedarf. „Noch vor mehr als zehn Jahren gab es außer uns nur zwei weitere Anlaufstellen für Internetseelsorge in Baden“, berichtet Pfarrerin Ursula Burkert, die ehrenamtlich Beauftragte für Internetseelsorge der Landeskirche. Sie und ihr Kollege Dieter Sprengel seien damals oft für Sexual-Berater gehalten worden, erinnert sie sich schmunzelnd. Inzwischen bieten über 200 Beratungsstellen seelsorgerlichen Beistand via Web an.

Beruhigende Balance zwischen Nähe und Anonymität
Wer sich an die Internetseelsorge der badischen Landeskirche wendet, kann neben Ursula Burkert und dem Pfarrer und Klinikseelsorger Dieter Sprengel auch mit dem ehemaligen Schuldekan Georg Burkert, Pfarrerin Birgit Risch oder Religionslehrer Lutz Bauer Kontakt aufnehmen. Alle haben ein pastoralpsychologisches Studium absolviert und teilweise seelsorgerliche Zusatzqualifikationen erworben. Anders als viele andere Online-Berater stellen sie sich auf www.netseelsorge.de persönlich vor: „Die User haben mehr Vertrauen, wenn sie das Gesicht des Beraters sehen, und wenn sie zum Beispiel erkennen: ,Der ist ja auch geschieden – der kann meinen Trennungsschmerz bestimmt gut nachempfinden‘“, ist sich Ursula Burkert sicher. Das Team betreut im Monat zwischen fünf und 15 neue User aus dem gesamten Bundesgebiet. Inzwischen suchen nicht mehr nur junge Erwachsene, sondern auch vermehrt Menschen ab 50 bei ihnen Hilfe. Die Anfragen reichen von der Suche nach Trauliedern bis hin zu Selbstmordgedanken. Die meisten Mails betreffen Eheprobleme oder Schwierigkeiten im Job oder beim Berufswechsel – nur in etwa jeder siebten geht es um Glaubensfragen. Spätestens nach 48 Stunden erhält der User Antwort – möglichst aber noch am selben Tag.

Gemeinsam die Angst überwinden
Anstatt jedoch sofort fertige Lösungsvorschläge zu präsentieren, stellen die Theologen erst mal Fragen nach noch mehr Hintergrundinformationen. „Auf diese Weise setzt sich der User automatisch intensiver mit seinem Problem auseinander und wir kommen dem Kern gemeinsam näher“, erklärt Burkert. Bis zu sieben Mal geht der beratende Mailwechsel hin und her. „So lange dauert es in der Regel, bis die nötige Vertrauensbasis entstanden ist, damit sich der User ein Stück weit outet.“ Dann kann gemeinsam nach Beratungsangeboten vor Ort gesucht werden. Denn die Internetseelsorge kann eine Beratung von Angesicht zu Angesicht zwar nicht ersetzen – erst recht nicht bei tief reichenden Lebensproblemen. „Aber wir können Menschen dafür stark machen, dass sie ihre Hemmungen vor einem persönlichen Beratungsgespräch überwinden.“

In dieser „mentalen Barrierefreiheit“ liegt die Schwäche und zugleich die große Stärke der Internetseelsorge. „Problematisch ist, dass wir im akuten Ernstfall nicht eingreifen können, weil wir ja weder Namen geschweige denn die Adresse des Betreffenden kennen“, sagt Burkert. Nie vergessen wird sie beispielsweise eine junge Frau, die ihr per Mail ihren Selbstmord ankündigte – und von der sie danach nie wieder etwas hörte. Andererseits gibt gerade die Anonymität des Internets vielen, die den direkten Kontakt zum Berater scheuen, die nötige Sicherheit, um den ersten Schritt zu machen und sich Hilfe zu suchen. Und das häufig mit großem Erfolg: Oft noch nach Jahren erhalten die Online-Seelsorger Nachrichten ehemaliger User, die sich dafür bedanken, dass sie ihnen einst eine Stütze waren.

 
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